Am 12.März wurden 2 Bolivianer, die aus Spanien und Italien in ihr Heimatland zurückkehrten positiv auf COVID-19 getestet.

Infolgedessen verhängte die Interimspräsidentin Jeanine Añez sofort verschiedene Einschränkungen wie, z.B., bis zum 14.03. Verbot und Sperrung für Flüge ins oder aus dem Lande. Unsere Praktikantin Svenja konnte gerade noch rechtzeitig – vom Vorstand koordiniert- ausgeflogen werden.

Weitere Beschränkungen folgten prompt: Schul-, Kindertagesstätten -, und Universitätsschließungen im gesamten Land, Versammlungsverbot für über 100 Personen und die Isolierung der beiden Bolivianer.

Ein Land im Ausnahmezustand

Es dauerte nicht lange und es wurden Ausgangssperren von 17 Uhr bis 5 Uhr verhängt, Arbeitszeiten wurden von 8-13 Uhr reduziert, der öffentliche Transport fand nur noch von 5 – 16 Uhr statt; Reiseverbot im Land und aus oder nach Bolivien auf allen Wegen.

Die Krankenhäuser sind nicht ausgestattet, so muss das Pflegepersonal sich selbst Handschuhe und Mundschutz kaufen, die aber ausverkauft sind. Es gibt so gut wie keine Beatmungsgeräte, ja keine Intensivbetten. 

Bei denjenigen, die verstehen um was es sich hier handelt, breitet sich die nackte Angst aus. In weiten Teilen der Bevölkerung allerdings herrschen Unwissenheit und Unverständnis. Polizei und Militär, die die Beschlüsse der Regierung durchsetzen müssen, werden angeschrien, handgreiflich angegangen und bedroht; gerade in El Alto versammeln sich Menschen um gemeinsam zu demonstrieren und sich zu wehren. Dabei wird nicht zimperlich umgegangen, auch schon mal die Polizei bespuckt und überrannt.

Die Verantwortlichen des Gesundheitswesens gaben öffentlich zu, dass Bolivien nicht vorbereitet sei auf die Pandemie, obwohl es das letzte südamerikanische Land war, dass infiziert wurde.

Fatale Folgen für unsere Familien

Aus der Ausgangsbeschränkung bzw. -sperre wurde ganz schnell der nationale Notstand ausgerufen. Das bedeutete für die Bolivianer, dass nur noch eine Person pro Haushalt im Alter zwischen 18 Jahre und 60 Jahre für einen Vormittag (8-12 Uhr) in der Woche zu den nötigsten Einkäufen das Haus verlassen darf. Öffentliche Verkehrsmittel, nationale und internationale Flüge bleiben weiterhin gesperrt; Schulen, Kindertagesstätten und alle öffentlichen Aktivitäten sind geschlossen bei Androhung hoher Geld- und Haftstrafen: Das Militär und die Polizei patrouilliert auf den Straßen und kontrolliert das Einhalten der Maßnahmen. 

Für unsere Familien fatal! Sie leben vom täglichen Verkauf ihrer Produkte um damit den täglichen Bedarf ihrer Kinder an Lebensmitteln einzukaufen. Keine unserer Familien hat soviel Geld angespart, dass sie für eine Woche einkaufen könnten. 

Operation: Care-Pakete für betroffene Familien und Einzelpersonen

Seit dem 30.03. werden nun Brötchen von unseren Rehabilitanden in großer Anzahl gebacken, warme Mahlzeiten für an die 90 Personen gekocht und verpackt, Care-Pakete individuell auf die Familien zugeschnitten und zusammengepackt; sie enthalten Lebensmitteln, Gas zum Kochen, Hygieneartikeln und Windeln usw. Inzwischen haben wir die Mieten der zur Miete wohnenden Familien bezahlt, damit sie nicht auf die Straße gesetzt werden. Ihre Schulden, die sie bei den Lebensmitteleinkäufen machen mussten, haben wir beglichen. Wir erreichen 90 Personen (Tendenz steigend).

Jede Woche fahren wir alle Bedürftige an und geben die Lebensmittel Care-Pakete und viele Patenbriefe, aber auch kleine Kinder-Überraschungstüten mit Rätseln, Spielen und Malbildern bei den Familien ab.

Wir konnten beim Ministerium für öffentliche Sicherheit eine Sondererlaubnis erwirken, die uns erlaubt unser Auto 24 Std. täglich zu fahren. Ebenso bekamen wir eine gelockerte Ausgangssperre für unser Personal, die die Ärmsten versorgen, in der Arbeitszeit mit besonderen Ausweisen unterwegs zu sein. Polizei und Militär waren uns bis jetzt immer freundlich gesonnen. 

Aktuell sind 1.200 Menschen an COVID-19 erkrankt und rund 60 Menschen verstorben. Der Nationale Notstand wurde erst einmal bis 11.05. verlängert. 

Jede Spende hilft

Die schnelle und unbürokratische Versorgung der Familien und Einzelpersonen ist nur dank Spenden möglich. An dieser Stelle möchten wir uns ganz herzlich bei denjenigen bedanken, die dazu beitragen, dass wir für so viele Menschen sorgen können! Unser Spendenkonto ist:

Spendenkonto der Soforthilfe La Paz e.V.
Sparkasse Pforzheim Calw
IBAN DE78 6665 0085 0000 7247 42
BIC PZHSDE66XXX